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Charité COVID-19 Projekt für und mit obdachlosen Menschen

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Plakate Impfen gegen COVID-19 (Deutsch, Polnisch, Russisch, Rumänisch, Bulgarisch, Arabisch, Farsi, Englisch, Französisch)

Das Charité COVID-19 Projekt für und mit obdachlosen Menschen stellt Plakate zum Thema Impfen zur Verfügung. Die Plakate sollen obdachlose Menschen ermutigen, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen und sich vom Personal in vertrauten Einrichtungen beraten zu lassen. Die Formulierung "Du kannst dich impfen lassen" soll das grundsätzliche Recht ansprechen, dass man sich auch ohne festen Wohnsitz, ohne Papiere und ohne Krankenversicherung impfen lassen kann.

Es gibt die Plakate mit verschiedenen Motiven von Menschen mit gelebter Erfahrung auf der Straße. Es gibt zwei Sprachversionen, sodass insgesamt 9 Sprachen abgedeckt werden.

1. Sprachversion: Deutsch, Polnisch, Englisch, Farsi, Russisch

2. Sprachversion: Deutsch, Rumänisch, Bulgarisch, Arabisch, Französisch

Zudem gibt es zwei Plakate in den Sprachversionen, die den Aspekt Konsum thematisieren ("Du kannst dich impfen lassen, auch wenn du konsumierst,...") in einem urbanen Motiv und mit dem Motiv der Hände.

Damit die Plakate gut lesbar sind empfehlen wir einen Ausdruck in DIN A3 in Farbe. Gerne können wir auf Anfrage auch einen Satz Plakate per Post zuschicken.

Die Plakate entstanden in Zusammenarbeit mit der Adressat*innengruppe und verschiedenen sozialen Einrichtungen.

Produziert von: Andrés Escobar www.supermantis.de

Motiv 1: Sprachversion 1

Motiv 1: Sprachversion 1

Motiv 2: Sprachversion 2

Motiv 3: Sprachversion 1

Motiv 4: Sprachversion 2

Motiv 5: Sprachversion 2

Motiv 6: Konsum, Sprachversion 1

Motiv 6: Konsum, Sprachversion 1

Motiv 7: Konsum, Sprachversion 2

Motiv 7: Konsum, Sprachversion 2

Aufklärungsvideos zu Corona (Deutsch, Englisch, Polnisch, Rumänisch und Russisch)

Was sind die Symptomen von Corona? Wie steckt man sich an? Was kann man bei Symptomen machen?

Es gibt wenig Informationen, die auf die Lebensrealität obdachloser Menschen in der Corona-Pandemie eingehen. Dieses Video ist gemeinsam mit Menschen mit gelebter Erfahrung entstanden. Wir wollen, dass ihr gut durch die Pandemie kommt, auch wenn ihr keine feste Unterkunft habt. Wir halten zusammen. Wir halten Corona von der Straße. Charité COVID-19 Projekt für und mit obdachlosen Menschen.

Die Entwicklung des Skriptes entstand in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin, dem Robert-Koch-Institut und der Adressat*innengruppe. Wir danken der Berliner Stadtmission für die Unterstützung und die Drehgenehmigung einiger Szenen auf ihrem Gelände mit Nutzung des Kältebusses.

Produziert von: Andrés Escobar www.supermantis.de

Information around Corona | For and by homeless people

Get tested! | The Coronatest | For homeless people

Informacja o Korona Wirusie. | Dla osób bezdomnych i z osobami bezdomnymi

Zrób test! Zrób test na obecność Korona Wirusa. | Dla osób bezdomnych i z osobami bezdomnymi

Informații despre Corona | Pentru și împreună cu oameni fără adăpost  

Fă-ți testul!: Testul Corona | Pentru și împreună cu oameni fără adăpost

Информация о коронавирусе. Для бездомных и с бездомными

Сдай тест!: экспресс-тест на коронавирус. Для бездомных и с бездомными

Hintergrund

Viele obdachlose Menschen sind für eine SARS-CoV-2-Infektion vulnerabel. Das Leben auf der Straße erschwert das Einhalten der AHA-Regeln. Auch in Notübernachtungen können aufgrund enger Unterbringungsverhältnisse Abstands- und Hygieneregeln nicht ausreichend eingehalten werden. Dadurch bestehen ein erhöhtes Infektionsrisiko und die Gefahr von Ausbrüchen. Aufgrund vermehrter, mit Obdachlosigkeit assoziierter Vorerkrankungen ist zudem von einem erhöhten Risiko für einen schweren COVID-19 Krankheitsverlauf auszugehen. Das Charité COVID-19 Projekt für und mit obdachlosen Menschen möchte Notübernachtungen während der Kältehilfe beim Risikomanagement von Ausbrüchen unterstützen, insbesondere durch den Einsatz von Antigen-Schnelltests. Das Projekt ist Teil des bundesweiten Netzwerks Universitätsmedizin, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Eine Pilotstudie zu universeller Testung in einer Notunterkunft für Obdachlose wurde bereits im Sommer durchgeführt.

Bürger*innen informieren sich über die aktuelle Lage der Pandemie, Regelungen und Schutzmaßnahmen vorwiegend über digitale Medien. Obdachlose Menschen hingegen verfügen über weniger Zugang zu digitalen Medien. Der sogenannte „Digital Gap“ zeigt, dass Digitalisierung für viele Menschen ohne Obdach mit technischen und sozioökonomischen Barrieren einhergeht. Zum strukturellen Ausschluss obdachloser Menschen aus der Gesellschaft zählt auch, dass diese bisher kaum direkt über digitale Angebote adressiert werden.

Das Charité COVID-19 Projekt für und mit obdachlosen Menschen hat daher adressat*innegerechter digitale Informationsangebote zu COVID-19 erstellt. Sie wurden mit und für Menschen mit gelebter Erfahrung auf der Straße entwickelt und umgesetzt. Ziel ist die Verbesserung des Zugangs zu Informationen und Vermittlung von Wissen zu COVID-19, mit Erprobung neuer digitaler Kommunikationswege. Weitere Informationen zum Projekt.

Häufig gestellte Fragen zu unseren Videos (Stand 22.04.21)

Wer sind wir und was machen wir?

Wir sind ein Team aus unterschiedlichen Menschen mit verschiedenen Biografien und Expertisen. Unser Ziel lautet: Wir halten Corona von der Straße! Zu unserem Team gehören Personen mit gelebter Erfahrung von der Straße, pädagogische und medizinische Fachkräfte sowie ein Kommunikationsdesigner. Wir bringen unsere biografischen und beruflichen Erfahrungen zusammen und erstellen Informationsangebote rund um das Thema COVID-19 für obdachlose Menschen. Das Projekt wird fachlich durch das Robert Koch-Institut und Berliner Notübernachtungen unterstützt. In jedem unserer Arbeitsschritte beeinflusst sich unser Wissen gegenseitig und bringt neue Ideen hervor. Die Kenntnisse von dem Leben auf der Straße durch Projektbeteiligte werden mit medizinischem und pädagogischem Fachwissen vereint. Durch professionelles Design werden Informationsangebote erstellt, die zurück in Einrichtungen der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe und auf die Straße fließen. Bisher haben wir zwei Videos in den Sprachen Polnisch, Russisch, Rumänisch, Englisch und Deutsch erstellt. Ein Video klärt allgemein über Symptome einer COVID-19 Infektion sowie wichtige Hygienemaßnahmen auf, ein weiteres informiert über COVID-19 Testung. Zum Thema Impfung werden aktuell Plakate in acht verschiedenen Sprachen erstellt, die an Orten aushängen sollen, an denen sie obdachlose Menschen erreichen. Ziel unserer Informationen ist es, mögliche Ängste vor einem Test, der Quarantäne oder einer Impfung anzusprechen und zu mindern. Die Ansprache erfolgt in allen bisherigen Formaten durch Menschen mit gelebter Erfahrung und soll sensibel auf die Lebenssituation von Personen wirken, die derzeit über kein eigenes Obdach verfügen. Ohne die Erfahrung durch obdachlose Menschen selbst könnte dieses partizipative Projekt nicht umgesetzt werden.

Warum wurden die Videos erstellt?

Die Lebenswirklichkeit obdachloser Menschen, deren Lebensmittelpunkt auf der Straße ist, wurde bei der Kommunikation von Abstands- und Hygieneregeln sowie der Empfehlung zur häuslichen Quarantäne und Isolierung nicht berücksichtigt. Es erfolgte bisher keine öffentliche, direkte Ansprache an Menschen auf der Straße. Da die Barrieren zu digitalen Kommunikationskanälen für obdachlose Menschen hoch sind, wird davon ausgegangen, dass das vielfältige Informationsangebot über COVID-19 sie nicht ausreichend erreicht. Das Charité COVID-19 Projekt für und mit obdachlosen Menschen versucht eine Informationslücke zu schließen und dabei neue partizipative und digitale Ansätze zu erproben. In der Pandemie reagiert unser Informationsangebot auf die Situation der Menschen auf der Straße. Um nur ein Beispiel zu geben: Regelmäßiges Händewaschen ist auf der Straße schlichtweg nicht möglich. Daher empfehlen wir im öffentlichen Raum vorhandene Desinfektionsspender, z.B. in Drogerieketten oder Einkaufszentren, zu nutzen.

Warum haben wir uns für Videos entschieden?

Videos sind eine wichtige Ergänzung zu schriftlichen Materialien wie Flyer und Postern. Sie ermöglichen eine direkte Ansprache - auch für Menschen, die nicht alphabetisiert sind. Ein weiterer Grund für die Entscheidung Videos zu produzieren war, dass ein Großteil der COVID-19-Informationen für die Gesamtbevölkerung über digitale Kommunikationswege erfolgt. In den Nachrichten im Fernsehen oder auf Social-Media-Kanälen wird täglich zum pandemischen Verlauf, Regelungen und aktuellen Debatten berichtet. Die Lebenssituationen obdachloser Menschen wurden dabei nicht mitbedacht und Menschen auf der Straße wurden bisher nicht direkt angesprochen. Wir möchten diese Lücke schließen, indem wir Informationen für obdachlose Menschen bereitstellen und zeigen, wie digitale Gesundheitskommunikation anhand partizipativer Methoden umgesetzt werden kann. Insgesamt wollen wir einen Impuls für die Verbesserung des Zugangs zu Informationen und Vermittlung von Wissen zu COVID-19 für Bevölkerungsgruppen setzen, die bisher nicht ausreichend mitgedacht und erreicht werden.

Warum können wir nicht mehr konkrete Informationen in den Videos zur Verfügung stellen?

Die Videos sind ein erster Impuls, um obdachlose Menschen im Kontext der Pandemie direkt mit Informationen zu COVID-19 anzusprechen. Sie sollen Informationen zum Virus, den Hygieneregeln, Schnelltests und einer möglichen Quarantäne geben. Gleichzeitig sollen sie einen Anreiz dafür schaffen, dass obdachlose Menschen mit dem Fachpersonal in den Einrichtungen, die sie besuchen, in einen Austausch treten und proaktiv Fragen stellen sowie ihre Sorgen oder Ängste kommunizieren. Auf Grund der dynamischen Lage im Pandemiegeschehen und den je nach Region und Einrichtung unterschiedlichen Vorgehen und sich ändernden Regelungen ist es nicht möglich, konkretere Angaben zu Anlaufmöglichkeiten und Hilfestellungen aufzuzeigen.

Warum wurden die Videos partizipativ erstellt?

Ohne das Wissen und Mitwirken von Menschen, die gelebte Erfahrung von der Straße haben, hätte das Projekt nicht umgesetzt werden können. Ein Protagonist beschreibt, dass er beim Video teilhaben wollte, um durch seine eigene Obdachlosigkeit zu anderen Menschen auf der Straße sprechen zu können. „Ich glaube ich bin einer, der akzeptiert wird. Auch wenn mich vielleicht nicht alle kennen, werde ich von den Leuten anerkannt. Deswegen habe ich mitgemacht. “Durch ein partizipatives Vorgehen wird die Perspektive obdachloser Menschen auf die Pandemie und die damit verbundener Herausforderungen in die allgemeinen Informationen zu COVID-19 miteingeschlossen. Peer Personen, die als Protagonist*innen in den Videos zu sehen sind, tragen dazu bei, dass obdachlose Menschen sich angesprochen fühlen und Identifikationsflächen finden. In unseren Feedbackrunden zum Videomaterial haben sich Personen gefreut, wenn sie ein ihnen bekanntes Gesicht, mit denen sie positive Erinnerungen verbinden, entdeckt haben. „Zu ihr (Krankenschwester) kann ich immer gehen, wenn ich nicht weiterweiß“ oder „Da ist der Koch, den kenne ich, der ist nett. Er hat mir auch schonmal eine Zigarette geschenkt!“. Obdachlosigkeit ist ein heterogenes Geschehen mit unterschiedlichen Geschichten, Ursachen, Lebensrealitäten und Perspektiven. Dies soll, so gut es geht, durch die verschiedenen Protagonist*innen und Orte dargestellt werden. Uns ist bewusst, dass wir trotzdem sicherlich nicht allen Geschichten und Perspektiven gerecht werden können. Durch die kontinuierliche und auf gegenseitigem Respekt basierende Zusammenarbeit versuchen wir bestehende Hierarchien bewusst zu durchbrechen. Wir sehen das Ganze als einen Austausch, bei dem alle Beteiligten im Projekt sich gegenseitig zuhören, ihr Wissen miteinander teilen und erweitern.

Warum kritisieren wir in den Videos nicht die Situation obdachloser Menschen in Deutschland?

In den entstandenen Videos werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie Menschen im Rahmen der aktuellen Lebensbedingungen auf der Straße sich selbst und andere Menschen vor einer COVID-19 Infektion schützen können. Dies bedeutet nicht, dass wir die aktuellen Lebensbedingungen von obdachlosen Menschen in Deutschland als Status Quo akzeptieren. Uns ist bewusst, dass wir mit unserem Informationsangebot keine strukturellen und institutionellen Veränderungen hervorrufen können. Menschen, deren Lebensmittelpunkt die Straße darstellt, haben dennoch auch ein Recht auf Information. Das Projektziel ist deshalb, entsprechende Informationen zur Verfügung zu stellen. Viele aus unserem Team sind ehrenamtlich oder hauptberuflich im Bereich der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe tätig. Wir sind hierzu sowohl regional als auch national und international gut vernetzt und politisch aktiv. Die (Grund-) Bedürfnisse von wohnungs- und obdachlosen Menschen werden oft nicht erfüllt. Schlafen, Essen, Duschen, Erholung – das alles sind nur einige Beispiele, die bei einem Leben auf der Straße nicht mehr sichergestellt sind. Diesen Zustand kritisieren wir. „Wenn du auf der Straße lebst, musst du permanent kreativ mit Krisen umgehen“, berichtet eine Person. Der tägliche Kampf ums Überleben war auch schon vor Corona da. Die Pandemie sei nur die Spitze des Eisbergs, hätte jedoch noch einiges verschlimmert, da viele kleinere Hilfsstrukturen weggebrochen sind. In der Arbeit in den Einrichtungen und (niedrigschwelligen) Versorgungsstruktur kann oft nur reagiert und nicht aktiv mitgestaltet werden. Weitgreifende politische Anstrengung sind notwendig, um die Lebensbedingungen obdachloser Menschen nachhaltig und ganzheitlich zu verbessern. Die Gründe, die trotz präventiver Maßnahmen zur Wohnungs- oder Obdachlosigkeit führen können, sind divers – das Angebot für diese heterogene Gruppe muss ebenso vielfältig sein. Unser Projekt hat den Fokus auf COVID-19. Wir zeigen, wie wichtig Informationen sind, die die Lebensrealität von Menschen auf der Straße berücksichtigen und dass Partizipation ein Mehrwert für die Entwicklung von Informationsmaterial und im weitesten Sinne auch für eine Optimierung von Unterstützungsangeboten sein kann.

Wie haben wir die Protagonist*innen gefunden?

Viele von uns arbeiten seit Jahren mit obdachlosen Menschen in verschiedenen Projekten in Berlin. Um die Protagonist*innen zu finden konnten wir daher auf bestehende Kontakte zu Einrichtungen und Menschen mit gelebter Erfahrung zurückgreifen. Teilweise haben wir direkt Menschen angesprochen, die wir bereits kannten. Hier konnte auf einem bestehenden gegenseitigen Vertrauen aufgebaut werden. Teilweise haben wir Einrichtungen gefragt, ob sie Personen empfehlen können, bei denen sie sich vorstellen können, dass sie Lust und Zeit an einer Zusammenarbeit haben. Diese haben wir aufsuchend angesprochen und gefragt, ob sie bei dem Projekt mitmachen möchten. Einige Menschen haben vor und/oder hinter der Kamera mitgewirkt. Jede teilnehmende Person konnte in unserem Projekt den Grad ihrer Involvierung selber bestimmen. Viele der angesprochenen Menschen wollten aus Gründen der verdeckten Obdachlosigkeit nicht vor der Kamera auftreten, um nicht erkannt zu werden. Für einige Personen war eine Mitarbeit schwer möglich, da ihr Alltag eng getaktet ist, um über den Tag zu kommen (Schlafplatz organisieren, einen Ort zum Duschen finden, Kleidung und Lebensmittel organisieren, zum Arzt gehen, …) oder einer (meist prekären) Arbeit nachgegangen werden muss.

Welchen Nutzen haben die Protagonist*innen durch ihre Mitwirkung?

Bei der Erstellung der Videos war es uns sehr wichtig auf der Seite der Beteiligten keinerlei Nachteile zu verursachen (Do-no-harm-Prinzip). Die Teilnahme an unserem Projekt konnte zu jedem Zeitpunkt beendet werden. Ebenso konnte das Bild- und Tonmaterial zu jedem Zeitpunkt vor Veröffentlichung der Videos revidiert werden. Die Teilnahmebedingungen wurden im Vorfeld ausführlich, in der von den Beteiligten gesprochenen und bevorzugten Sprache, erklärt und besprochen. Es liegen schriftliche Einverständniserklärungen für die Nutzung der Bild- und Tonaufnahmen vor. Uns war es sehr wichtig, niemanden zu einer Teilnahme zu überreden. Bei Personen, bei denen wir uns aufgrund ihrer psychischen Verfassung oder aufgrund von akutem Suchtmittelkonsum nicht sicher waren, ob sie die Reichweite einer Teilnahme einschätzen können, sahen wir von einer Aufnahme ab. Die Zeit und das Wissen der Menschen sind kostbar. Alle Beteiligten wurden für ihre Mitarbeit finanziell entlohnt, um ihre Arbeit wertzuschätzen. Wir haben uns ebenfalls die Frage gestellt, ob die Entlohnung die Teilnahmebereitschaft beeinflusst hat. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass die Möglichkeit zur finanziellen Entlohnung einen Anreiz für eine Teilnahme darstellen kann, wir sie aber trotzdem für sinnvoll und unerlässlich halten.

Was haben wir in dem Prozess gelernt?

Es besteht ein genereller Bedarf an Information (zu Nachrichten jeglicher Art und Gesundheit bzw. medizinischer Versorgung).

Von Beginn an war klar, dass es einen generellen Bedarf an Informationen zu Gesundheit und gesundheitlicher Versorgung für obdach- und wohnungslose Menschen gibt, es aber an entsprechendem Material mangelt. Wir wussten, dass vor allem jetzt Informationen zu COVID-19 in verschiedenen Sprachen fehlen, von denen sich alle Menschen angesprochen fühlen. Das bisherige Informationsangebot musste also durch mehr Sprachenvielfalt erweitert werden und Personen direkt ansprechen. (Digitale) Gesundheitskommunikation muss inklusiver gestaltet werden und sollte keine Person aufgrund bestimmter Merkmale ausschließen. Ganz konkret bedeutet dies, dass Informationen z.B. die Lebenssituation von Menschen ohne Krankenversicherung, ohne Papiere oder Menschen, die Alkohol oder andere Substanzen konsumieren, berücksichtigt werden.

Das Projekt konnte nur durch Menschen mit gelebter Erfahrung umgesetzt werden. Ein interdisziplinäres Team und der partizipative Ansatz haben sich bewährt.

Der Arbeitsprozess und das Ergebnis haben maßgeblich davon profitiert, dass interdisziplinäres Wissen zur Verfügung stand. Die Erfahrungen der obdachlosen und ehemals obdachlosen Menschen, der Projektgruppe sowie des Fachpersonals aus der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe haben geeignete Fragen und Formulierungen für die Videos und Plakate festgelegt. Die medizinischen Fachkräfte haben ihr Fachwissen miteingebracht und hatten Zugang zu den aktuellen Informationen zur Pandemie bzw. COVID-19. Dadurch konnten wir faktenbasierte und sachlich korrekte Antworten verfassen. Die pädagogischen Fachkräfte im Projekt haben durch ihre wichtigen Kontakte und Netzwerke schnell Zugang zu Menschen mit gelebter Erfahrung und Einrichtungen für Drehorte finden können. Sie sind für die Koordination des gesamten Projekts, die Begleitung der Beteiligten in den Videos verantwortlich und stehen als Ansprechpartner*innen für das Team inklusiv der Protagonist*innen und externe Personen zur Verfügung. Im Laufe des Projekts haben wir immer wieder gemeinsam zu ethischen Fragen diskutiert und gegenseitig voneinander gelernt. Das Ziel war zu jeder Zeit keine stereotypen Bilder oder diskriminierenden Bilder zu (re-)produzieren. Das war eine besondere Herausforderung für die Gestaltung der Videos und Plakate. Ein professionelles Kommunikationsdesign wurde allen Ansprüchen der verschiedenen Beteiligten gerecht und konnte realistische Einschätzungen zur Umsetzung der jeweiligen Formate geben. Die Skripte wurden in mehreren Schleifen von Fachpersonal aus der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe gesichtet und ergänzt. Menschen mit gelebter Erfahrung haben die Texte so verändert, dass die Aussagen zugänglicher und klarer wurden. Um ein Beispiel zu geben: uns wurde zurückgespiegelt, dass das Wort „Substitutionsangebot“ viel zu umständlich klingt. „Dit versteht keen Mensch. Sagt doch einfach, dass du in Quarantäne auch versorgt wirst, wenn du (Alkohol oder andere Drogen) konsumierst.“ Der Prozess hat gezeigt, dass es notwendig ist, Expert*innen mit einzubeziehen, die gelebte Erfahrungen mitbringen, um dieses Wissen anerkennend und wertschätzend mit aufzunehmen. Durch die Protagonist*innen haben wir gelernt, die Dinge auf den Punkt zu bringen.

Forderung nach mehr Zugang zu Digitalisierung.

„Ich kann nicht einmal die Nachrichten lesen oder mich über das Wetter informieren.“ Einige Projektbeteiligte kommunizierten immer wieder die Schwierigkeit, dass sie selbst und viele Einrichtungen nicht digitalisiert sind und es deshalb schwierig sei an Informationen zu gelangen und den Alltag zu bewältigen. Menschen berichteten, wie wichtig einerseits ein Smartphone sei und dass es gleichzeitig schwierig ist, das Gerät zu behalten. Als obdachlose Person sei man oft von Diebstahl betroffen oder verliere persönliche Dinge, da es nahezu keine Aufbewahrungsmöglichkeiten gebe. Auch sei das Laden eines Handys umständlich. In Unterhaltungen über den Zugang zu mobilen Medien nennen Menschen unterschiedliche Gründe, warum der Wunsch nach Digitalisierung groß ist. Einerseits sei es zur Jobsuche notwendig und um dann mit (potentiellen) Arbeitgeber*innen in Kontakt bleiben zu können. Sozialarbeitende berichten ebenfalls, dass es eine Zusammenarbeit stark erleichtere, wenn Personen telefonisch erreichbar seien. Das Aufrechterhalten der Kontakte zur Familie und Freund*innen sei nur sehr eingeschränkt oder gar nicht möglich, genauso wie sich über Alltagsgeschehen oder Nachrichten in der Welt zu informieren. „Ich stelle mir schon gar keine Fragen mehr, weil es frustrierend ist, wenn ich eh nicht nach Antworten suchen kann!“ Genauso groß ist auch der Wunsch nach Entspannung, Freizeit und dem Nachgehen nach Hobbies: „Am meisten fehlt es mir online Schach zu spielen. Außerdem würde ich gerne Webinare besuchen und z.B. an Vorlesungen zu Philosophie teilnehmen. So ist das Leben sehr langweilig und der Kopf hat nichts zu tun.“ Eine Person berichtet am Ende der Zusammenarbeit davon, sich vom im Projekt verdienten Geld endlich ein Smartphone gekauft haben zu können und nun wieder mit der Familie in Kontakt zu stehen.

Partizipation muss immer an das jeweilige Projekt angepasst werden.

Es gibt keinen Leitfaden, nach dem Partizipation erfolgt. Partizipation funktioniert auf mehreren Ebenen und muss in jedem Projekt neu ausgehandelt werden. Menschen, die nicht vor der Kamera mitwirken wollten, weil sie z.B. in verdeckter Obdachlosigkeit leben, haben auf andere Art und Weise partizipiert (z.B. Übersetzungsarbeiten, Vertonung). Der Vorteil unseres Ansatzes und der Arbeitsweise war auch, dass immer wieder spontan Menschen mit ihren Erfahrungen und Expertisen, wie z.B. Sprachkenntnissen in den laufenden Arbeitsprozess mit eingebunden werden konnten. Spontanität war gefragt, da sich der Alltag vieler Projektbeteiligter durch den Umstand der Obdachlosigkeit schnell verändern konnte. Wir mussten uns nach den Terminen und Arbeitszeiten der Menschen sowie nach den Rahmenbedingungen der Einrichtungen richten. Eine Zusammenarbeit war so in einigen Fällen nur am Abend oder Wochenende möglich.

Je vulnerabler eine Person war, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Person nicht am Projekt partizipieren konnte.

Wir haben versucht allen Personen, die sich am Projekt beteiligen wollten, diese Möglichkeit zu geben - auch wenn es aufgrund der individuellen Lage schwierig war. Menschen, die in verdeckter Obdachlosigkeit leben oder keine Papiere besitzen, durften auf keinen Fall erkannt werden. Viele Menschen befinden sich in unsicheren, prekären Arbeitsverhältnissen, in denen sie sich nicht mal einen Tag frei nehmen können. Einigen Menschen war es aus mehreren Gründen nicht möglich mitzumachen.

Es sind viele Ideen entstanden, die bisher noch nicht umgesetzt werden konnten.

Das besondere an unserer Arbeit war, dass wir uns Zeit für die einzelnen Ideen, Rückmeldungen und Hinweise der Menschen nehmen konnten. Viele Überlegungen konnten aufgrund der finanziellen und zeitlichen Kapazitäten jedoch nicht umgesetzt werden. Während der Zusammenarbeit wurde über weitere Formate der Informationsverbreitung gesprochen. Weitere Informationsvideos in zusätzlichen Sprachen wäre das Ziel eines größer angelegten Projekts. Projektbeteiligte äußerten den Wunsch generell zum Leben auf der Straße, COVID-19 oder gesundheitlichen Themen vor der Kamera, aus ihrer persönlichen Sicht, Stellung zu beziehen.

Der Wunsch nach Vernetzung ist groß.

Während der Projektlaufzeit haben wir uns selbst immer weiter vernetzt und Menschen zusammen an einen Tisch gebracht. So waren auch die Rückmeldungen von politischer Seite positiv und der Wunsch nach weiterer Vernetzung wurde von verschiedenen Seiten lauter.

Wie werden die Videos verbreitet?

Die Videos sind bisher über den Kanal „Vimeo“ und auf der Seite des Tropeninstituts der Charité einzusehen. Die Links zu den Videos wurden im Netzwerk der Berliner Kältehilfe verbreitet und auf der Website der Kältehilfe Koordination hinterlegt. Verschiedene Einrichtungen und Institutionen haben das Material über ihre Social-Media-Kanäle gepostet und verbreitet. Deutschlandweit stehen wir mit Einrichtungen in Kontakt, die das (digitale) Informationsangebot in ihrer Versorgung bereitstellen. Weitere Öffentlichkeitsarbeit hat über große Medienportale stattgefunden und es wurde bundesweit der Kontakt zu Straßenzeitungen in verschiedenen Städten aufgenommen mit der Anfrage, ob sie in ihren Zeitungen über das Projekt und die Videos berichten wollen. Es kommen immer wieder Anfragen von verschiedenen Seiten (Ämter, Vereine, Selbstorganisationen,…), die unser Material gerne verbreiten möchten. Darüber freuen wir uns natürlich sehr. Wir arbeiten daran, über weitere Kanäle mehr Sichtbarkeit zu erlangen. Momentan versuchen wir zu evaluieren, wie gut wir das Material bisher selbst verbreiten konnten und wie oft die Videos geteilt wurden. Die Impfplakate sind momentan in der Entstehung und werden deutschlandweit in acht Sprachen an ca. 200 Einrichtungen der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe versandt. Falls Sie Interesse an unseren Informationsangeboten haben und eine Verbreitungsmöglichkeit unserer Plakate oder Videos in ihren Einrichtungen sehen, wenden Sie sich gerne direkt an uns.

Welche Grenzen in der Bereitstellung digitaler Informationsangebote für obdachlose Menschen gibt es?

Im Vergleich zum Rest der Gesellschaft haben obdachlose Menschen oft weniger Zugang zu mobilen Medien. Uns ist bewusst, dass es schwierig ist, ein Smartphone zu nutzen oder zu finanzieren, da z.B. für eine SIM-Kartenregistrierung ein gültiges Ausweisdokument benötigt wird, die laufenden Kosten hoch sind oder durch das Leben auf der Straße Eigentum leichter verloren gehen oder gestohlen werden kann. Nur wenige Einrichtungen geben die Möglichkeit wertvolle Dinge, wie Dokumente sicher und verschlossen aufzubewahren. Auch die (niedrigschwelligen) Hilfseinrichtungen sind technisch oft nicht ausreichend ausgestattet. Die genannten Hürden stellen für uns keinen Widerspruch dar, dennoch digitale Angebote zu erstellen. Es werden noch einige Schritte notwendig sein, bis der Großteil der Menschen auf der Straße auch Zugang zu eigenen Endgeräten haben wird und sich mehr Einrichtungen digitalisiert haben. Mit unserem Projekt wollen wir einen Anstoß in Richtung Digitalisierung geben und einen Beitrag leisten, um auf die digitale Kluft hinzuweisen und dagegen anzusteuern. Allein mit der Erstellung der Videos haben wir Diskussionen angestoßen, was wir als Erfolg verbuchen. Die Grenzen in der Verbreitung sind ein wichtiges Ergebnis dieses Projekts, um aufzuzeigen, an welchen Stellen nachjustiert werden muss. Zum einen wird dadurch deutlich, dass obdachlose Menschen mehr Zugang zu digitalen Endgeräten erhalten müssten. Zum anderen wäre es vorteilhaft, wenn (niedrigschwellige) Einrichtungen der Obdach- und Wohnungslosenhilfe sich besser digitalisieren, um auch über digitale Medien den Zugang zu Information für ihre Klient*innen zu verbessern. Auch für die Jobsuche ist ein Zugang zu digitalen Formaten sowie ein eigenes Smartphone essentiell. Eine Analyse der Verbreitung der Videos, der Nutzung und der Akzeptanz in der Zielgruppe findet aktuell statt.

Auch in einem partizipativen Projekt gibt es Machtverhältnisse. Wie gehen wir damit und mit den entstandenen Beziehungen und Erwartungen um?

In partizipativen Prozessen arbeiten Menschen miteinander, die sich durch ihre Rolle(n) (in diesem Fall Menschen mit gelebter Erfahrung von der Straße, praktisch Arbeitende und Forschende) in unterschiedlichen Machtebenen und teilweise auch in Abhängigkeitsverhältnissen zueinander befinden. Hinzu kommen weitere Dimensionen wie z.B. Biografie, soziökonomischer Status, Bildungsstatus, Wohnsituation, Geschlecht und Alter, Bezüge zu verschiedenen Herkunftsländern sowie unterschiedliche Interessen und Erwartungen an die Zusammenarbeit. Das Besondere der partizipativen Zusammenarbeit ist es, alle Erfahrungen gleichwertig zu verstehen, respektvoll und wertschätzend miteinander zu arbeiten und voneinander zu lernen. Die Herausforderung dabei ist, dass zum einen Machtverhältnisse weiterbestehen (auch wenn Forschende in der partizipativen Forschung teilweise von einer vermeintlichen Arbeit auf Augenhöhe sprechen) und dass durch die Zusammenarbeit, in der Vertrauen eine wichtige Rolle spielt, Beziehungen entstehen. Es ist wichtig, diese Aspekte von Beginn des Prozesses mitzudenken und offen anzusprechen. Oft enden die Zusammenarbeit und damit die Beziehungen nach Beendigung der Projekte. Dadurch können Erwartungen enttäuscht und den Beteiligten Schaden zugefügt werden. Bisher wird dieser zentrale Aspekt in partizipativen Prozessen wenig thematisiert. In unserem Projekt haben wir so gut es geht versucht, die Rahmenbedingungen (Projektlaufzeit, Ziele, was kann das Projektteam anbieten und was nicht) von Anfang an transparent zu formulieren. Einige Beziehungen sind schon lange vor dem Charité Projekt entstanden und werden auch nach Beendigung der Projektlaufzeit privat weiter bestehen. Die neu entstandenen Kontakte und aufgebauten Beziehung werden vereinzelt durch Projektbeteiligte im Rahmen von Tätigkeiten in der Wohnungslosenhilfe und für mögliche Anschlussprojekte fortgesetzt.

Was sind unsere nächsten Schritte?

• Analyse der Verbreitung der Videos sowie der Nutzung und Akzeptanz seitens der Adressat*innengruppe.

• Partizipative Erarbeitung und Planung von COVID-19-Impfplakaten von und für obdachlose Menschen mit dem Ziel mögliche Fragen zu adressieren, Barrieren zu minimieren und die Möglichkeit zu bieten, eine informierte Entscheidung bezüglich einer Impfung zu treffen.

• Um einen Einblick in die partizipative Arbeit und unsere Ergebnisse zu ermöglichen, werden wir auf Kongressen über das Projekt berichten und Fachartikel verfassen.

Wie wirkt sich die Pandemie auf den Alltag von obdachlosen Menschen aus?

Mit dem Verlauf der Pandemie wird immer deutlicher, wer im Land ein privilegiertes oder wer ein prekäres Leben führt. Während ein Teil der in Deutschland lebenden Bevölkerung die Möglichkeit hat, im Homeoffice zu arbeiten und Lieferservices zu nutzen, spielt sich das Leben bei anderen Menschen nicht unter dem Hashtag #stayhome ab. Menschen ohne Obdach sind tagsüber weiterhin auf der Straße, um dann hoffentlich, wenn es zu kalt ist, um draußen zu nächtigen, rechtzeitig einen Platz in einer Notübernachtung zu erhalten. Obdachlose Menschen können sich wenig schützen und müssen auch während der Pandemie mobil sein. Viele gehen weiterhin ihrer Arbeit z.B. auf Baustellen nach, verkaufen Straßenzeitungen oder sammeln Flaschen, was in Zeiten der Pandemie nur erschwert möglich ist. Hygiene- und Abstandsregeln oder die Selbstisolierung im Falle von Symptomen sind auf der Straße kaum umsetzbar. Medizinische Mund-Nasen-Schutze sind ein Kostenfaktor, Stoffmasken müssten regelmäßig gereinigt werden. Ohne Zugang zu sanitären Einrichtungen ist regelmäßiges Händewaschen schwer umsetzbar. Die Einhaltung des Abstands in Notübernachtungen, in denen oft viele Menschen auf engem Raum sind, ist trotz Hygieneregeln eine Herausforderung. Es besteht ein erhöhtes Infektions- und Ausbruchrisiko. Bei fehlenden Einzelunterbringungsmöglichkeiten sind Empfehlungen zur Selbstisolierung bei Symptomen oder eine Quarantäne nach Kontakt zu COVID-19-Fällen nicht möglich. Eine Quarantänestation der Berliner Stadtmission verweist auf Möglichkeiten, die während der Pandemie ausgeschöpft wurden, um obdachlose Menschen medizinische Versorgung anzubieten und die Selbstisolierung zu ermöglichen. In den Einrichtungen arbeiten Mitarbeiter*innen mit großem Einsatz und stoßen an strukturelle Grenzen.

Welche Unterstützungsstrukturen gibt es in Berlin/anderen Städten/Deutschland?

In Berlin existiert seit 1989 die Berliner Kältehilfe, ein Zusammenschluss kirchlicher Träger und Wohlfahrtsverbänden, der unterstützt von der Senatsverwaltung in den Wintermonaten ein Netz an Hilfeleistungen anbietet, um Menschen auf der Straße vor dem Erfrieren zu bewahren und ihre Grundbedürfnisse zu sichern. Auch im Sommer haben Tagesstätten, Essensausgaben, Hygienecenter und Kleiderkammern geöffnet, wie z.B. von der Berliner Stadtmission, der GeBeWo oder der Caritas. Ein Überblick über die aktuellen Angebote findet sich auf der Website der Koordinierungsstelle der Berliner Kältehilfe:  Im App-Store kann die dazugehörige App heruntergeladen werden, die auch in den Sprachen Englisch, Polnisch, Russisch, Rumänisch und Bulgarisch übersetzt ist. Auch die Einrichtungen wurden durch die Pandemie vor große Herausforderungen gestellt, was Prävention, Hygienemaßnahmen, Schnelltests und Ausbruchsmanagement betrifft. Deutschlandweite Hilfeeinrichtungen findet man auf der Website der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG-W): https://www.woundwie.de/de.

Wer waren Projektpartner*innen?

Die Entwicklung des Skriptes entstand in Zusammenarbeit der Charité, mit dem Robert-Koch-Institut und der Adressat*innengruppe. Wir danken der Berliner Stadtmission für die Unterstützung und die Drehgenehmigung für einige Szenen auf ihrem Gelände mit Nutzung des Kältebusses. Um ethische Fragen aus verschiedenen Perspektiven betrachten zu können, haben wir uns von Beginn an beraten lassen z.B. von der Selbstorganisation wohnungsloser Menschen. Das Wissen obdachloser Menschen, das sie durch ihre gelebte Erfahrung erworben haben, wurde über die gesamte Projektlaufzeit kontinuierlich mit einbezogen. Ein permanenter Austausch fand mit dem Forschungsnetzwerks Wohnungslosigkeit und Gesundheit an der Charité, der Berliner Kältehilfe sowie, der BAG-W statt. Zudem wurden Einrichtungen der Kältehilfe aufgesucht, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen, mit Mitarbeitenden und Gästen der Einrichtungen zu sprechen und um Protagonist*innen für die Videos zu gewinnen.

Wie wurde das Projekt finanziert?

Das Projekt ist Teil des bundesweiten „Netzwerk Universitätsmedizin“, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Projektlaufzeit ist aktuell begrenzt bis Mitte Mai 2021.

Was können Privatpersonen tun, um obdachlose Menschen zu unterstützen?

• Menschen bewusst wahrnehmen und nicht ignorieren: Wenn obdachlose Menschen Sie um etwas bitten, schenken Sie ihnen Blickkontakt, vielleicht ein Lächeln und eine Antwort, auch wenn es sich um ein “Nein” handelt. Viele Menschen ignorieren obdachlose Menschen, weil sie peinlich berührt sind oder es ihnen unangenehm ist, kein Geld zu geben. Menschen können sich der besonderen herausfordernden Situation obdachloser Menschen in Pandemiezeiten bewusstwerden.

• Verbreiten Sie unsere Videos oder auch nur deren Inhalte, teilen Sie Ihre Informationen mit obdachlosen Menschen und Interessierten.

• Wenn Sie in Berlin wohnen, laden Sie sich die App der Berliner Kältehilfe herunter. So können Sie einer obdachlosen Person Einrichtungen wie Tagestätten, Notübernachtungen oder Kleiderkammern in der Nähe heraussuchen, wenn diese Sie danach fragen. Eine Übersicht über Hilfsangebote in Berlin finden Sie außerdem auf der Website der Berliner Kältehilfekoordination: kaeltehilfe-berlin.de

• Speichern Sie sich zudem die Telefonnummer vom Kälte- und Wärmebus ein. Diese sind von November bis April jeden Abend in Berlin unterwegs, um Menschen ohne Unterkunft aufzusuchen, zu versorgen und kostenfrei in Notunterkünfte zu bringen. Wenn eine Person Hilfe annehmen möchte und es nicht selbstständig in eine Unterkunft schafft, können Sie einen der folgenden Busse anrufen. Eine Aktualisierung der Zeiten und Nummern finden Sie auf der Website der Berliner Kältehilfe (siehe oben).

DRK Wärmebus: täglich 18-24 Uhr unter: 030 600 300 1010

Kältebus: täglich 20.30-02 Uhr unter: 0178 523 5838

KARUNA Sub: Mo-Fr 8-16 Uhr unter: 01578 66 05 080

Hilfe Hotline: Mo-Fr 9-17 Uhr unter: 0157 80 59 78 70

Kältehilfetelefon: täglich 19-23 Uhr unter: 030 81 05 60 42 (Auskunft zu Belegung und Auslastung der verfügbaren Schlafplätze in Notübernachtungen und Nachtcafés.)

Publikationen

Lindner AK, Sarma N, Rust LM, Hellmund T, Krasovski-Nikiforovs S, Wintel M, Klaes SM, Hoerig M, Monert S, Schwarzer R, Edelmann A, Martinez GE, Mockenhaupt FP, Kurth T, Seybold J (2020). Monitoring for COVID-19 by universal testing in a homeless shelter in Germany: a prospective feasibility cohort study. medRxiv.

Specht A, Sarma N, Hellmund T, Lindner A (2020). Charité COVID-19 Projekt für und mit Obdachlosen in Berlin - Unterstützung der Antigen-Schnelltestung während der Kältehilfe und digitale Wissensvermittlung. Zeitschrift „wohnungslos“. Verlag BAG Wohnungslosenhilfe e.V. Berlin.

COVID-19 im Kontext Wohnungslosigkeit. RKI Empfehlungen für Gesundheitsämter und Anbieter der Wohnungslosen- und Obdachlosenhilfe (Stand: 9.7.2021). Diese Empfehlungen wurden gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W), Ärzte der Welt e.V. (ÄdW), dem Charité COVID-19-Projekt für und mit obdachlosen Menschen sowie dem Gesundheitsamt Frankfurt am Main erstellt.

Kongressbeiträge

09.04.2021: BAG W Online Konferenz „Das Überleben sichern“
Workshop:  COVID-19-Projekt der Charité Berlin
Referent:innen: Navina Sarma, Andreas Lindner, Theresa Hellmund und Anabell Specht
 
11.06.2021: Der Paritätische: Aktionskongress gegen Armut
Workshop: Armut und Gesundheit  – Wohnungsnotfallhilfe gemeinsam mit Wissenschaft und Forschung für das Recht auf Gesundheit
Referent:innen: Mateusz, Misch, Sabine Bösing, Anabell Specht, Navina Sarma
 
18.06.2021: 15. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT-Kongress)
Vortrag: Digital COVID-19 health information for and with homeless people
Referentin: Anabell Specht
 
23.06.2021: ECDC Webinar: Sharing good practices for increasing COVID-19 vaccination uptake for socially vulnerable populations in the EU/EEA
Vortrag: The importance of targeted health information for and with people experiencing
homelessness during the COVID-19 pandemic
Referentin: Navina Sarma
 
24.09.2021: FEANTSA 15th European Research Conference
Vortrag: Developing health information for and with homeless people during the COVID-19 pandemic and beyond
Referentin: Tabea Linzbach

Geplant: Armut und Gesundheit Kongress 2022

Team

Interdisziplinäres Team (Medizin, Public Health, Soziale Arbeit, Medienkommunikation, Menschen mit gelebter Erfahrung) in enger Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut und den Notunterkünften.